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Tag der Arbeit: AusbildungsFit als Sprungbrett Richtung Berufsleben

Manchmal fehlen jungen Menschen noch schulische, soziale oder persönliche Kompetenzen, um in einer weiterführenden Ausbildung oder am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. In AusbildungsFit (AFIT) können sie ihre Fähigkeiten und Talente entdecken, Fertigkeiten ausbauen sowie Selbstvertrauen entwickeln und sind somit bereit für den nächsten Schritt in Richtung Ausbildung und Beruf.

„Ich war in der Mittelschule eine gute Schülerin, richtig streberisch, und hatte eine super Lehrerin. Die HTL, die ich im Anschluss besucht habe, hat gar nicht für mich gepasst und ich habe sie nach einem Jahr abgebrochen. Dann kamen Probleme zuhause dazu und ich habe mich plötzlich verloren gefühlt“, erzählt die 18-jährige Keti, die nach einem AMS-Kurs über das Jugendcoaching im September 2021 in AusbildungsFit in Linz gelandet ist. Dort begleitet das sechsköpfige Trainer:innen- Team derzeit 18 Jugendliche und junge Erwachsene. „In AFIT hilft mir mein Coach in wöchentlichen Gesprächen zu schauen, wie es für mich beruflich weitergehen kann“, fährt Keti fort. „Wir lernen, Bewerbungsschreiben zu verfassen und beschäftigen uns mit praktischen Dingen, die uns im Alltag helfen, wie z.B. den Umgang mit Geld und was ein Kredit ist. Das ist interessant. Wir lernen auch, wie man persönlich an sich arbeitet, alleine und in der Gruppe. Ich weiß das ist wichtig, aber auch anstrengend.“ Am liebsten würde sie eine Lehre zur Vermessungstechnikerin machen, denn sie liebe „alles mit Zahlen und Mathematik“, ergänzt die junge Frau. Ein Schnupperpraktikum hat die 18-jährige bereits absolviert. Doch nachdem es in diesem jungen Lehrberuf nur wenige Ausbildungsplätze gibt und Pandemiebedingt kaum Praktika möglich waren, hat sie noch keine passende Lehrstelle gefunden. Nun hofft Keti, dass sich das mit der Unterstützung in AusbildungsFit bald ändern wird. 


Ungerade Wege 

Ähnlich wie Keti geht es ihrer Kollegin Enya, die auch eine gute Schülerin war und gerne zur Schule gegangen ist. Nach dem Pflichtschulabschluss in Linz hatte die 17-jährige im weiteren Verlauf Schwierigkeiten, in einem Lehrberuf Fuß zu fassen. Die Arbeit in der Feinkostabteilung eines Lebensmittelgeschäfts sei „überhaupt nichts“ für sie gewesen, berichtet Enya. Bei der zweiten Lehrstelle habe sie Probleme mit dem unfreundlichen Umgangston ihres Vorgesetzten gehabt und mit dem Druck, den er während der Arbeit auf sie ausgeübt habe. Darüber hinaus habe sie auch nach drei Monaten noch keinen Lehrvertrag gehabt. Enyas‘ Ziel ist nun die Ausbildung zur zahnärztlichen Assistentin, doch zuerst möchte sie die Lehre zur Einzelhandelskauffrau machen. „Ich schreibe jedes Monat zwischen 20 und 25 Bewerbungen“, erzählt sie.

„Wie man am Beispiel von Enya sieht, wird ein junger Mensch von schlechten Erfahrungen mit dem Lehrlingsausbildern, genauso mit Lehrer:innen, enorm geprägt. Deshalb ist es uns im AFIT-Team so wichtig, für die jungen Menschen einen Ort zum Wohlfühlen zu schaffen, wo sie Platz finden und spüren, dass sie gehört und ernstgenommen werden“, erklärt Coach Hildegard Vratny-Heumel die Arbeit mit ihren Schützlingen. „Wir begleiten die Jugendlichen dabei, ihre Kompetenzen zu trainieren, wie etwa Arbeitsaufträge anzunehmen, selbst wenn es gerade nicht so Spaß macht oder man müde ist. Sie lernen Ausdauer, Pünktlichkeit und Belastungsfähigkeit und erleben Tagesstruktur und Stabilität. Unsere jungen Leute gehen oft nicht den geraden Weg und das muss auch nicht sein. Wichtig ist, dass sie merken, dass sie ihrem Ausbildungs- und Berufswunsch Schritt für Schritt näher kommen.“

Talente als Ressource und Mutmacher

Auf die individuellen Ressourcen, Fähigkeiten und Talente jedes und jeder Teilnehmer:in zu achten und sie in ihren Einzelbegabungen zu fördern, ist der erfahrenen Trainerin, die seit der Geburtsstunde von AusbildungsFit in Linz im Jahr 2014 mit an Bord ist, sowie ihren Kolleg:innen, ein großes Anliegen. „Jede und jeder unserer Jugendlichen ist Experte und Expertin für sich selbst und wir Coaches sind ihre Wegbegleiter:innen und Mutmacher:innen“, ergänzt sie. Wie z.B. der 17-jährige Sibius, der sich für Insekten und Fische begeistert, ein faszinierend breites Fachwissen hat und gerne in diesem Bereich eine Ausbildung machen oder eine Arbeitsstelle finden würde. Oder der 18-jährige Ahmad, der in Syrien aufgewachsen ist und - obwohl er erst seit zwei Jahr in Österreich lebt - erstaunlich gut Deutsch spricht. Neben der Teilnahme an AusbildungsFit besucht er nachmittags Kurse für den Pflichtschulabschluss. Nachdem seine Familie bis zur Flucht vor dem Bürgerkrieg eine Landwirtschaft betrieben hat, in der Ahmad fleißig mitangepackt hat, gehört seine Begeisterung diesem Arbeitsfeld. Nach dem Praktikum in einem Saatgut-Betrieb und dem erfolgreichen Pflichtschulabschluss hofft der 18-jährige in diesem Bereich eine Lehre starten zu können.

„Unsere jungen Teilnehmer:innen zu begleiten und zu sehen, wie sie Vertrauen in uns Coaches fassen und an Selbstvertrauen und Zuversicht gewinnen, ist eine schöne und bewegende Erfahrung“, erklärt Michael Bauer, Projektleiter von AusbildungsFit in Linz. „Wenn es uns dann auch noch gelingt, ihnen Freude am Leben zu vermitteln, ist das die Draufgabe.“

Gut zu wissen rund um AusbildungsFit NEXT LEVEL

AusbildungsFit NEXT LEVEL wird von der Sozialen Initiative im Auftrag des Sozialministeriums an drei Standorten in Linz, Freistadt und Steyr betrieben. Es ist ein kostenloses Angebot, umfasst mindestens 16 und bis zu 26 Wochenstunden und wendet sich an junge Menschen ab der Erfüllung der Schulpflicht bis zum vollendeten 24. Lebensjahr. Dafür erhalten sie bis zu zwölf Monate Zeit und Geld vom AMS zur Deckung des alltäglichen Lebensunterhaltes. Die meisten Teilnehmer:innen haben einen Nachreifungsbedarf - manche emotional oder sozial, andere im schulischen, integrativen Bereich oder bei alltäglichen Strukturen.

Das Angebot umfasst vier Säulen: In den Trainingsmodulen geht es darum, individuelle Fähigkeiten zu erkennen und zu erweitern sowie eine konkrete Ausbildungsperspektive zu verfolgen. In der Wissenswerkstatt bekommen die Fertigkeiten im Bereich der Kulturtechniken, also Lesen, Schreiben, Rechnen und Medienkompetenz, einen Feinschliff. Das Coaching dient der individuellen Begleitung und zur Unterstützung und Reflexion des Einwicklungsprozesses der jungen Menschen, besonders dann, wenn sie Krisen erleben. Natürlich darf auch der Spaß in AusbildungsFit nicht zu kurz kommen. Deshalb sind Sport, Bewegung und sinnvolle Freizeitgestaltung, wie der Besuch einer Ausstellung im LENTOS Kunstmuseum, der Kletterhalle oder im Botanischen Garten in Linz, wichtiger Teil des Programms.

Seit Start von AusbildungsFit NEXT LEVEL im Jahr 2014 haben 570 von der Sozialen Initiative betreute Jugendliche und junge Erwachsene in Oberösterreich daran teilgenommen.

EIN VORMUDUL FÜR DEN SIMPLEN EINSTIEG

Das Vormodul ist eine besondere Erweiterung des Konzeptes, das in Linz & Steyr angeboten wird. Hierhin können Jugendliche täglich ohne große Voranmeldung für ein paar Stunden kommen. Sie haben die Möglichkeit, rasch und unkompliziert anzudocken und ohne viele Anforderungen an sie ein vielfältiges, buntes Angebot kennenzulernen. Sechs Monate haben sie Zeit, um „alltagsfit“ zu werden, sodass sie den nächsten Schritt, etwa in AusbildungsFit NEXT LEVEL, gehen können.

Besonders Jugendliche mit unterschiedlichen psychischen und emotionalen Problemlagen, z.B. infolge von Mobbingerfahrungen oder Schulabbruch, brauchen einen sanften und oft unkonventionellen Einstieg. Sie brauchen Zeit und einen geschützten Rahmen, bis sie sich anderen Menschen und Jugendlichen annähern und anvertrauen können. Gerade in den Jahren der Pandemie haben psychische Probleme und sozialer Rückzug bei Jugendlichen deutlich zugenommen. Das zeigt sich auch in der großen Nachfrage am Vormodul.