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Tag der Familie: Wenn die heile Welt nicht immer heil ist

Zum Internationalen Tag der Familie, der 1993 von den Vereinten Nationen ausgerufen wurde, um auf die Bedeutung der Familie für Gesellschaft und Staat aufmerksam zu machen, möchte die Soziale Initiative dafür Bewusstsein schaffen, dass Eltern krisenhafte Zeiten erleben können, in der sie professionelle Unterstützung brauchen, um ihren Kindern fürsorgliche Versorgung zu ermöglichen.

Die alleinerziehende Mutter ist krank oder überlastet. Die wirtschaftliche Situation ist enorm angespannt, weil die Eltern arbeitslos sind oder das Familieneinkommen kaum reicht, um über die Runden zu kommen. Die Eltern fühlen sich schon länger mit den vielen Aufgaben überfordert, die eine Familie mit sich bringt. „Die Lebenswelt von Familien ist aus vielen Gründen nicht immer heil. Wenn wir Betroffenen in Krisenzeiten mit all ihren individuellen Stärken und Potenzialen zur Seite stehen, können wir gemeinsam gelingende Beziehungen und ein förderliches Umfeld für das gesunde Aufwachsen von Kindern schaffen. Davon profitiert nicht nur die einzelne Familie, sondern auch die Gemeinschaft“, erklärt Martin Hofer, Geschäftsführer der Sozialen Initiative. „Die Unterstützung für Familien in schwierigen Lebenslagen ist also eine nachhaltige Investition in die Gesellschaft von morgen, was für jede und jeden von uns im positiven Sinne von Nutzen sein wird. Denn die gesunden, resilienten und gestärkten Kinder von heute sind die starken Erwachsenen von morgen.“
In den Geschäftsfeldern Mobile Dienste und Volle Erziehung werden Kindern und Jugendlichen, je nach Alters- und Entwicklungsstufe sowie Lebens- und Familiensituation, die für sie passende Betreuungsform geboten. 332 Mitarbeiter:innen der Sozialen Initiative sind in diesen beiden vielfältigen Tätigkeitsbereichen im Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe in ganz Oberösterreich tätig. 2021 wurden 1.917 Kinder und Jugendliche begleitet. Die Angebotspalette ist breit: Von der sozialpädagogischen Familienbetreuung sowie der Erziehungs- und Alltagshilfe über sozialpädagogische Wohngruppen und die IN-Betreuung, die (Geschwister-) Kindern ein zeitlich befristetes Zuhause in der Familie einer sozialpädagogischen Fachkraft gibt, niederschwellige Angebote wie die Jugendnotschlafstelle UFO in Linz bis hin zur stationären und mobilen Einzelwohnbetreuung, die sich an Jugendliche und junge Erwachsene bis 24 Jahre richtet. „Meine Betreuerin hilft mir, mein Leben zu bewältigen und meinen Alltag zu organisieren und zu strukturieren. Ich fühle mich gehört und verstanden, und das lässt mich meine Ziele verfolgen“, erzählt die 17-jährige Amelie. „Ich achte jetzt wieder auf mich selbst, weil auch jemand anderes auf mich achtet.“
 

Die Einheit der Familie erhalten

In der Sozialpädagogischen Familienbetreuung und der Erziehungs- und Alltagshilfe unterstützen und begleiten die Mitarbeiter:innen der Sozialen Initiative im bestehenden Familiensystem, damit die Einheit der Familie erhalten bleibt. „In der Mobilen Betreuung ist es unser Ziel, Familien soweit zu stärken, dass sie die Verantwortung für ihren Alltag wieder alleine tragen können. Der Fokus liegt auf den Kindern, um sie in ihrer psychosozialen Entwicklung bestmöglich zu fördern. Das ist ungemein entlastend für die betroffenen Eltern“, so Martin Hofer. „Meine Betreuerin hilft mir in vielen Bereichen. Z.B. bei der Erziehung der 

Kinder, und ich fühle mich als Frau gestärkt“, berichtet eine alleinerziehende Mutter von drei Kindern, die von einer Mitarbeiterin in der Erziehungs- und Alltagshilfe in Linz begleitet wird. „Wir haben auch lustige, emotionale und tiefgründige Gespräche. In stressigen Situationen sagt sie immer zu mir, du schaffst das!“
 

Familie bleiben trotz Trennung

Es gibt krisen- und konflikthafte Lebenslagen, in denen Eltern ihrem Kind keinen Schutz geben können. Dann braucht es Menschen, die in dieser Zeit das Wohl des Kindes gewährleisten und ihm Geborgenheit und Rückhalt geben. Wenn ein Kind deshalb in einem stationären oder familiären Betreuungsangebot versorgt wird, soll die Möglichkeit bestehen bleiben, trotz räumlicher Trennung eine Familie zu bleiben. Mit begleitender Elternarbeit wird sichergestellt, dass die Eltern-Kind-Beziehung erneuert oder vertieft wird. Während dieser Zeit wird intensiv daran gearbeitet und geklärt, unter welchen Voraussetzungen ein Kind wieder zu Hause leben kann bzw. werden gemeinsam alternative Perspektiven entwickelt. „Die Bedürfnisse von Kindern, besonders wenn sie noch sehr jung sind, lassen sich nicht aufschieben. Bindung und Kontinuität in stabilen Beziehungen sind enorm wichtig für die Entwicklung emotionaler Sicherheit“, erklärt Michaela Hable, Geschäftsfeldleitung Volle Erziehung. „Deshalb ist es uns ein großes Anliegen, betroffenen Eltern zu vermitteln, das wahre Ausmaß ihrer Belastung und Überforderung zu erkennen und einzugestehen. Somit kann es uns gelingen, für einen vereinbarten Zeitraum professionelle Unterstützung zu bieten, Zuversicht zu geben und flexibel und liebevoll auf die individuellen Bedürfnisse des verunsicherten Kindes und der Eltern zu reagieren. Dann kann der Heilungsprozess beginnen. Unsere Mitarbeiter:innen sind dabei die Wegbegleiter:innen.“