Tag der Obdachlosen: UFO Housing First hilft jungen Menschen zuhause anzukommen


„Viele dieser jungen Menschen haben schon als Kinder erlebt, dass niemand für sie da ist. Mit UFO Housing First geben wir ihnen einen sicheren Ort und die Begleitung, die sie brauchen, um ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen“, betont Kinderschutz-Landesrat Martin Winkler.
Housing First ist ein international erfolgreicher Ansatz, bei dem das „Grundrecht auf Wohnen“ der Ausgangspunkt ist und das Ziel verfolgt wird, obdachsuchenden Menschen dauerhaft eigenen und leistbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Die UFO Jugendnotschlafstelle in Linz-Urfahr – seit der Eröffnung im Jahr 2002 die einzige Notschlafstelle mit niederschwelligem Versorgungs- und Beratungsangebot für junge Menschen im Alter von 14 bis 24 Jahren in Oberösterreich – startete im April 2017 mit dem HF-Angebot. Zielgruppe sind junge Erwachsene, die belastete, häufig komplexe Biographien, keine unterstützende Familie und bereits alle sozialen Wohnangebote ausgeschöpft haben.
Die jungen Erwachsenen haben oftmals mit vielschichtigen Herausforderungen zu kämpfen: psychische Belastungen durch Gewalterfahrungen oder Vernachlässigung in der Familie, keine abgeschlossene Schulausbildung, Schulden, ausstehende Gerichtsverfahren, fehlende Meldeadressen uvm. Die Betreuung durch die sozialpädagogischen Fachkräfte der Sozialen Initiative ist auf etwa zwei Jahren angelegt und verfolgt das Ziel, dass die Bewohner:innen die Wohnung am Ende selbst anmieten und ihren Alltag eigenständig bewältigen können und in den Sozialraum integriert sind.
Seit dem Start im Jahr 2017 wurden 35 junge Erwachsene im Rahmen von UFO Housing First am Weg in ein stabiles Leben in der eigenen Wohnung unterstützt. Zurzeit werden 14 junge Bewohner:innen im Alter von 18 bis 24 Jahren (7 Frauen / 7 Männer) betreut. Davon werden neun Plätze für 18 bis 21-Jährige aus dem Mitteln des Landes OÖ und fünf Plätze für 22 bis 24-Jährige mithilfe von Spenden finanziert. „Dank der guten Zusammenarbeit und dem Vertrauen der KJH OÖ ist es uns möglich, dieses innovative Angebot zur Abfederung von Wohnungslosigkeit seit bald zehn Jahren durchzuführen und junge Menschen in ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu begleiten“, sagt Gregor Bayer, Geschäftsführer der Sozialen Initiative.
David, 24 Jahre: „An die UFO-Betreuer konnte ich mich immer wenden.“
„Die UFO-Betreuer und die Streetworker waren die einzigen Anlaufstellen, wo ich wusste, da kann ich mich immer hinwenden“, erzählt der 24-jährige David, der von 2024 bis 2026 im Rahmen von UFO HF betreut wurde und im Juli den Mietvertrag für seine 24 m2 Wohnung in Linz übernommen hat. In wenigen Wochen zieht er mit seiner Freundin in eine größere Wohnung. „Ich mache nicht nur die Kochlehre, ich koche auch zuhause extrem gerne und gut. Deshalb brauche ich eine größere Küche und zu zweit benötigen wir einfach mehr Platz“, sagt er.
Mit 16 Jahren zog David in die erste von zwei sozialpädagogischen Wohngruppen, weil er es zuhause unter dem gewalttätigen Stiefvater nicht mehr aushielt. Mit 18 landete er auf der Straße und kam nach Zwischenstationen bei Freunden und in einer Notschlafstelle in Wels mit 19 Jahren erstmals in UFO. „Ich wollte einfach nicht mehr länger auf der Straße sein“, sagt David. Mit Unterstützung des UFO Housing Teams konnte er den Schritt ins selbständige Leben in den eigenen vier Wänden machen. Entscheidet sei auch seine Freundin gewesen, berichtet er, und den Kontakt zu seinem alten Freundeskreis abzubrechen. Denn dadurch gelang es ihm nach jahrelangem Drogenkonsum „clean“ zu werden. Heute hat David wieder mit seiner Mutter Kontakt, die sich mittlerweile vom Stiefvater getrennt hat und er und sieht seine beiden jüngeren Halbgeschwister regelmäßig. „Sie sind mein ein und alles!“ Jungen Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, wie er es vor ein paar Jahren war, möchte David mitgeben: „Man soll nicht zu stolz sein, um Hilfe anzunehmen. Hilfe zu suchen ist etwas Menschliches.“
Hörtipp: „Platz da!?“ – der Podcast der Kinder- und Jugendhilfe OÖ
Ein sicherer Schlafplatz ist für viele selbstverständlich, für manche Jugendliche und junge Erwachsene aber nicht. Darum geht es in der aktuellen Folge von „Platz da!?“, dem Podcast der Kinder- und Jugendhilfe OÖ. Zu hören ist ein Gespräch mit Christiane, die in der UFO-Jugendnotschlafstelle der Sozialen Initiative in Linz arbeitet, und mit Anna (Name geändert), die selbst wohnungslos war und heute offen über ihren Weg erzählt. In „Platz da!?“ kommen Mitarbeiter:innen, Jugendliche, Eltern und Pflegefamilien zu Wort. Sie geben Einblick, wie Kinder, Jugendliche und ihre Familien in Oberösterreich unterstützt werden, damit ihre Bedürfnisse Platz haben und Kinder gut und sicher groß werden können.
Zur Folge: https://platzda.podigee.io/23-christiane-anna-warm-satt-sauber-23
Bildtext 1: David (von hinten) im Gespräch Sozialpädagoge und UFO Teamleitung Meho Softic: „Es war wichtig zu wissen, dass immer jemand da ist, der mich auffängt“, erinnert er sich an seine Zeit in UFO Housing First.
Bildtext 2: V.l.: LR Martin Winkler, Astrid Amerstorfer (Bereichsleitung Stationäre Betreuungsangebote) und Gregor Bayer (Geschäftsführung Soziale Initiative) in der UFO Jugendnotschlafstelle. Foto: Land OÖ/Denise Stinglmayr.